Aussiger Bote 1962 - page 51

Eine Säule der Sdiönerer-Bewegung:
Dr. Anton Eisenkolb ans Schlackenweith
M it dem Namen Dr. Eisenkolb w ird
eine Zeit wieder lebendig, die gerade
um die Jahrhundertwende — trotz des
sogenannten tiefsten Friedens — h e i-.
ße innerpolitisdie Kämpfe in der alten
Österreidüsch-Ungarischen Monarchie
aufflammen ließ. M it Dr. Eisenkolb tau­
chen auch andere geschichtlich gewor­
dene Namen auf: der Begründer der
Alldeutschen Partei Georg Ritter von
Schönerer, Karl Hermann W olf, und'
als das beherrschende Thema die „Los
von Rom-Bewegung". Die um die Jahr­
hundertwende in vollem Gange befind­
liche antiklerikale Bewegung hatte
weite Kreise erfaßt, den Arbeiter wie
auch den Intellektuellen. Dabei war
das durchaus nicht ungefährlich, denn
die Romkirche war in der alten Donau-
Doppelmonarchie die staatsöffizielle
Kirche, zumal auch das Herrscherhaus
derselben Glaubensrichtung huldigte.-
Es gab damals einen Verband Freier
Bürgerschullehrer, die der sozialdemo­
kratischen Partei angehörten, die alle
diese Bewegung unterstützten, ja
selbst die Schüler an den Bürgerschu­
len empfanden den religiösen Zwang
— ehe sie selbst über eine Glaubens­
richtung entscheiden konnten — als
' Unfreiheit. In unserer Heimatstadt
spielte Dr. Anton Eisenkolb politisch
zur damaligen Zeit eine große Rolle.
Er war als Sohn eines kinderreichen
Webers am 22. März 1857 in Schlacken­
werth geboren worden, trat nach dem
Rechtsstudium in Prag in den Staats­
dienst und verließ diesen, als er we­
gen Gründung von Ortsgruppen des
Deutschen Schulvereins gemaßregelt
wurde. — H ier ist ein treffendes Bei­
spiel geboten, daß das Deutschtum im
alten Österreich keine Sonderrechte
besaß und um seine nationale Existenz
kämpfen mußte. — Dr. Eisenkolb ließ .
sich als Rechtsanwalt in Karbitz nie­
der und diente hier der Bewegung m it
Unterstützung der Brüder Hans und
Karl Riessner, Fabrikanten in Tum, m it
dem A rzt Franz Kerschner in Modlan,
dem Bergwerksdirektor Bernhard See-
bohm in Graupen und dem Trebnitzer
Arzt Wenzel Titta.
Als m ittelbare Folge der „Los von
Rom-Bewegung" wurde die Schaffung
von evangelischen Kirchengemeinden
gefördert. Damit wurde das W irken
Dr. Eisenkolbs durch die 1901 in Kar­
bitz errichtete evangelische Kirche auch
nach außen zu einem Erfolg. Im glei­
chen Jahr wurde Eisenkolb im Städte-
W ahlbezirk Aussig-Teplitz-Dux auf der
Liste der Alldeutschen Partei (Schöne­
rer) in den österreichischen Reichsrat
gewählt, dem er. bis 1907 angehörte,
im gleichen Zeitraum verlegte er seine
Kanzlei von Karbitz nach Aussig (Eck
Marktplatz-Kirchengasse) und der ge­
kannte Journalist Rudolf Zeidler und
der Fabrikant Johann Schicht zählten
zu Freunden Eisenkolbs.
c
. Eisenkolbs letzte Jahre waren durch
■Krankheit und körperliche Behinderun­
gen umdüsterf. Er starb am 15. A p ril
1926 in Aussig und wurde im Fami­
liengrab in Karbitz beigesetzt. "Ge­
denktafeln an den evangelischen K ir­
chen in Karbitz und Türm itz ehren sein
Andenken. Verheiratet war Dr. Eisen­
kolb m it Frau Antonie aus Kunners-
dorf bei B.-Kamnitz. Der Ehe entspros­
sen Helm ut (geb. 25.12.1913), A ribert
(geb. 28. 2-. 1916) und die 1940 in Aussig
.verstorbene W altraud.
— nn.
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