Seite 396 - Aussiger Bote 1967

W illy Dick — ein rüstiger Siebziger^
Am
IO.
September 1967 beging der in Aussig
viele Jäkre in der Werbeabteilung der Firma Georg
Schicht AG tätig gewesene Willy Dick, der zufolge
seiner skisportlichen Leistimgen weit bekannt war,
in 5678 Wermelskirchen, Breslauer Straße 10, seinen
siebzigsten Geburtstag. Anläßlich dieses Ehrentages
wollen wir seiner gedenken.
Lm. Willy Dick ist -gebürtiger Weiperter. Trotz­
dem war er einst in Aussig in den Kreisen der sport­
treibenden Jugend geradezu ein „Vorbild". Sein erstes
Sportgerät war zwar ein Rodel, doch als er im Jahre
1911
in Oberwiesenthal, anläßlich der Deutschen Ski­
meisterschaften, die damaligen Skispringer (unter
ihnen war auch der seinerzeitige Sieger Hannes
Böhm) gesehen hatte, war sein Entschluß gefaßt
und von dieser Stimde an lag sein ganzes Interesse
bei den Ski-„Brettem", die ihm nunmehr die Welt bedeuteten. Waren
es anfänglich auchh u r Faßdauben, so wurden doch bald durch ein eisernes Heller-
zu-Heller-Legen richtige Bretteln daraus. Unermüdlich arbeitete er an sich selbst
und verfolgte aufmerksam alles, was m it dem Sldsport zusammenhing. Im Jahre
1921
war Lm. Dick bereits Teilnehmer an den Deutschen Meisterschaften in Ober­
staufen. Zwar errang er hier noch keine Lorbeeren, doch hatte er viel gesehen und
viel dazugelemt. Sein Interesse lag nicht nur bei den sportlichen Leistungen allein,
sondern auch bei Ski und Skiausrüstungen, die er immer zu verbessern trachtete,
was ihm auch gelang. So erarbeitete er bessere Binciungen imcT war maßgeblich an
der Schaffung eines Spnmglaufskis, der größeren Anforderungen entsprach, betei­
ligt. Beim Bau neuer Schanzen holte man Willi Dick als Berater. So entstand 1922
aus seinen Erfahrungen heraus die neue Keilbergschanze, die die Deutsche Ski­
zunft „Keilberg" unter Beachtung seiner Ratschläge erbaut hatte und auf welcher
er (wie er selbst sagt) erst richtig hinter die Geheimnisse des Skisprunges kam
unci einen eigenen mustergültigen Stil m it „Vorlage" entwickelte, cier ihn dann
befähigte, Meisterleistungen zu bieten. Jedenfalls hat er nicht nur m it seinen
sportlichen Leistungen viele Jahre an der Spitze gestanden, sondern auch .der Skier-
zeugimg, dem Spnmgschanzenbau und auch dem Sprunglauf Wege gezeigt, die
noch heute'begangen w erden'und in der ganzen Welt anerkannt sind.
Mut, Zähigkeit und Ünverdrossenheit zeigen die folgenden Zeilen über seinen
sportlichen Werdegang.
M it 15 Jahren war er Sieger bei einem Jugendwettlauf und im Jahre 1917 auf.
dem Semmering bereits 3. im Springen und i. im Abfahrtslauf. 1920 plazierte er
sich gegen eine starke Springer-Konkurrenz aus dem Riesengebirge in der zweiten
Klasse an erster Stelle. 1921 Teilnahme an der Deutschen Skimeisterschaft, wö er
beim Laufen besser absci^eidet als beim Springen. Darm erster größer Erfolg: er
gewinnt zum ersten Male die' Erzgebirgs-Meisterschaft. 1922. ist er Erster beün
Palmsonntagsspringen in Abertham und 1923 Gewinner der Chiemgaumeister-
sdb.aft. 1924 finden wir WiUi Dick bei der Auswahlmannschaft, d ie der HDW
zum Schweizer Landesspringen entsandte. Im Kampf m it den besten Springern
des Kontinents erringt er den 15. Platz. In-Pontresina verfolgt ihn das Sturzpech,
aber in Oberstaufen steht er in vorbildlicher Form einen 46-m-Sprung und verbes­
sert den von Carlsen aufgestellten Schanzenrekord. Anschließend geht es zum In­
ternationalen Sprunglauf nach Klingenthal. Hier glückte der Wurf. Er wurde gegen
.
die drei Norweger Thoressen, Blatt und Graf, die in der Schweiz so gut abge­
schnitten. hatten. Erster. Es folgte noch das große Keilbergspringen. Wende, Glaß
und Purkert waren die gefährlichen Wettbewerber. Das Schluß-DueU: Wende-Dick
endete m it dem Siege des Weiperter Sportlers. 1925 wurde die Mitteleuropäische
Meisterschaft in Johannisbad im Riesengebirge ausgetragen. Schweizer, Österrei­
cher, Polen und Italiener waren m it ihrer Elite am Start. Der Sieger hieß Willy
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