Aussiger Bote 1989 - page 7

Jänner-Gedenktage aus Aussigs Chronik
Zusammengestellt von Rudolf Koska
(Fehlt die Ortsangabe, gilt dafür Aussig)
Am
1.1. 1875 nahm die in Aussig neugegründete selbständige „Krankenuncer-
stützungs- und Invalidenkasse“ (später „Allgemeine Arbeiter-
Kranken- und Unterstützungskasse“), die am 17. September 1874
die behördliche Genehmigung erhielt, ihre Tätigkeit auf. Durch
die fortschreitende Industrialisierung wuchs in der Arbeiterschaft,
nachdem der Staat, der die Aufgabe gehabt hätte, die N ot zu
mildern, versagte, die Überzeugung, daß nur durch Selbsthilfe ihr
Los zu bessern sei. Die Kasse zahlte je nach Höhe des Beitrages
wöchentliche Krankenunterstützungen von 2 fl. bis 4 fl. 80 kr.;
einen Beerdigungskostenbeitrag von 20 fl. und Invalidenunter-
stützungen von wöchentlich 2 fl. für die Dauer der Arbeitsun­
fähigkeit. Bereits im ersten Geschäftsjahr erreichte die Kasse einen
Mitgliederstand von 885 und ein Vermögen von 393 fl. 60 kr.
Aus diesen kleinen Anfängen entwidtelte sich im Laufe der Jahre
ein stattliches Unternehmen. Durch die Gründungen von „Vor­
orten“ dehnte die Kasse ihr Arbeitsfeld allmählich über den gan­
zen Bezirk aus. 1884 wurden Zweigstellen in Tellnitz, Karbitz,
Mariaschein und Modlan, 1885 in Kosten, 1886 in Salesel, Ebers­
dorf und Saara und 1887 in Nestomitz errichtet. Anläßlich ihres
40jährigen Bestehens konnte die Kasse auf 46.291 Mitglieder und
auf ein Vermögen von 200.000 Kronen verweisen. Auf Grund
des Krankenversicherungsgesetzes vom 30. März 1888 wurde die
Kasse ab 1889 zu einer Zwangskasse (Pflichtkasse) umgewandelt.
Sie bestand bis zum 1. Oktober 1919 und vereinigte sich mit der
Aussiger Bezirkskrankenkasse.
5. 1. 1770 und 19. 1. dieses Jahres ließen sich bei der zu dieser Jahreszeit
. anhaltenden Nässe und Schwellungen des Elbestrom» heftige Erd­
stöße zwischen Wesseln, Reindlitz, Meischlowitz und Mosern ver­
spüren, wodurch die vom Ziegenberg bis Meischlowitz fortlaufen­
den Berge sehr tiefe Spalten und Risse bekamen, deren Tiefe man
hie und da „mit den längsten Hopfenstangen nicht erreichen konn­
te“. Ein im Pfarrarchiv von Seesitz aufgefundenes Schriftstück
gab über dieses Ereignis umfassende Nachricht. Danach wurden
am 5. Jänner nach Mitternacht die Einwohner von Wesseln, nach­
dem sich bereits das Vieh in den Ställen unruhig gebärdete, durch
einen dreifachen Knall aus ihrem Schlaf geweckt. Sie hörten Brau­
sen und Getöse und verspürten aufeinander folgende Stöße, Er­
schütterungen und Schwankungen ihrer Häuser. Erdreich, Ge­
sträuch und Obstbäume schoben sich etliche hundert Ellen (1 Elle
ist zwischen 55—85 cm) gegen die Elbe. „Der Anblick dessen war
schröcklich!“ wird berichtet.
Ähnliche Erscheinungen bemerkte man bald nach Ostern bei
_
Budin, Doxan, Posteiberg, Saaz und beim Geltschberg. Bei dieser
Gelegenheit wurde vom Prager Metropoliten ein allgemeiner Buß-
und Fasttag anbefohlen, um Gott zu bitten, eine größere Gefahr
abzuwenden.
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