Aussiger Bote 2013 - page 395

lerschaft und im Jahre 1928 wurde er
zum Obmann des Kreises Aussig des
“Metznerbundes”, Verband deutscher
Kunstschaffender in der Tsche-
choslowakei gewählt, welche Stelle er,
mit drei kurzen Unterbrechungen, bis
zum Jahre 1939 bekleidet hat.
Trotz seines Lehrberufes fand Professor
Patzak immer Zeit, freischaffend zu ar-
beiten und es verging keine Ausstellung,
in der nicht Werke von ihm vertreten
waren, die großen Beifall fanden, sowohl
in Fachkreisen als auch in der Bevölke-
rung. Es seien hier nur erwähnt die
große Landschaft der Schneekoppe, die
er in Öl malte, das Bildnis des Direktors
Kreibich (Oel), das Selbstbildnis (Pa-
stell), ein Obststilleben (Aquarell) und
die zahlreichen Bilder aus dem Elbetal,
dem Riesengebirge sowie Motive aus Karlsbad, Bremen usw.
Durch seine Arbeit spornte Professor Patzak die übrigen Künstler nach-
haltig zu regem Schaffen an, umsomehr, als er deren volles Vertrauen
erworben hatte. Er hatte Zeit für alle, jeder fand bei ihm willig Gehör,
Rat und Hilfe. Sein ruhiges, ausgeglichenes Wesen besänftigte auch die
erregtesten Künstlergemüter und mit Besonnenheit brachte er immer
wieder alles in beste Ordnung.
Unter seiner Leitung wurden regelmäßig die alljährlichen Kunstaus-
stellungen des “Metznerbundes” vorbereitet und durchgeführt, an deren
künstlerischem Erfolg er wesentlichen Anteil hatte. Er war es, der Ana-
tomie- und Aktzeichenkurse einführte. Die sogenannten Atelierfeste im
Aussiger Fasching stellten gesellschaftliche Ereignisse dar, die dem
“Metznerbund” reichliche Mittel für seine kulturellen Bestrebungen
brachten.
Im Verein für Kunstpflege, dessen langjähriges Vorstandsmitglied Prof.
Patzak war, betreute er die Bildergalerie, vertrat er die Interessen des
“Metznerbundes” und bereitete er auch die Ausstellungen des Vereins
für Kunstpflege, wie die Doerell-Ausstellung, die Ex-libris-Ausstellung
usw. vor. Auch hei Buchausstellungen war Prof. Patzak stets beteiligt.
Die Ausweisung im Jahre 1945 bereitete auch demWirken dieses Künst-
lers in der alten Heimat ein jähes Ende; die Hauptwirkungsstätte, die
Stadtbücherei, existiert nicht mehr, die Bildgalerie des Vereins für
Kunstpflege wurde vernichtet und die zu hoher Blüte gebrachte deut-
sche Kultur Aussigs ausgelöscht. Doch in unseren Herzen besteht sie
weiter.
(Anmerkung: Josef Patzak geb. am 27.6.1879 im Kreis Trautenau, ist am
24.1.1966 mit 86 Jahren in München verstorben.)
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Prof. Josef Patzak
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